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Schelmish

Die hässlichen Kinder





Napalm Records [NPR 308] (30.10.2009)

Tracklist:
01. Bist du bereit
02. Boulevard
03. Überladen
04. Too Late
05. Die hässlichen Kinder
06. For The Clansmen
07. 1212
08. Blähsucht
09. Goresh
10. Sommer
11. Strangers
12. Sag nur ein Wort
13. Mosaik
14. Für Euch
Genre: Mittelalter Metal

Gesamtspielzeit: 59:58

Web: www.schelmish.de

Schelmish sind auch eine der vielen Mittelalter-Metal-Bands, die bisher komplett an mir vorbeigegangen sind. Und dabei gehören sie noch zu den Bands mit einem recht eigenständigen Sound. Auch wenn man sich dazu an vielen fremden Schüsseln bedient.

Das beginnt schon beim ersten Song Bist du bereit, bei dem wohl irgendwer zu oft Falcos Out Of The Dark gehört hat. Sowohl textlich als auch musikalisch sind die Ähnlichkeiten doch etwas zu stark – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Beim zweiten Stück beschleicht einen so langsam das Gefühl, daß man sich ein Coveralbum zugelegt hat. Die Ärzte winken uns hier im mittelalterlichen Gewand entgegen. Drück den deutschen Punkrockern einen Dudelsack und eine Flöte in die Hand und Boulevard wird dabei herauskommen.

Mit Überladen wird es dann endlich mittelalterlich. Aber trotzdem ist der Song schön rockig und ein richtiger Ohrwurm, der live sicher noch ganz groß wird. Auch Too Late ist ein richtig guter Song, der auch ohne Probleme im Radio laufen könnte wenn die Dudelsäcke nicht gar zu dominant wären.

Der Titelsong Die hässlichen Kinder ist nicht nur sehr gut tanz- und bangbar, sondern auch mit einem überaus lustigen Text versehen. Das Stück erinnert zwar stark an die Hosen, aber mittlerweile hat man sich dann schon dran gewöhnt, daß hier nicht alles neu und originell ist. Spaß wird man vor allem live bei diesem Song aber trotzdem haben. Das Instrumental For The Clansmen bietet dann genau das, was man auch anhand des Titels erwartet und bildet gleichzeitig den Ruhepol des Albums, bevor es wieder heftig weitergeht.

Mit einem bei Porcupine Trees Open Car entlehnten Riff (vielleicht hat man aber auch bei den Deutschen Cheeno gemobst) geht es zurück in das Jahr 1212 und den Kinderkreuzzügen. Dies ist der einzige Text des Albums, der auch wirklich mittelalterlichen Bezug hat. Sozialkritisch ist er noch dazu. Und richtig gut.

Sehr schön ist auch Blähsucht, ein fast schon romantisches Lied, mit wunderschönem Haßtext. Aber irgendwie zu wenig wütend, um wirklich ernstgenommen zu werden. Mit Goresh folgt darauf wieder ein Instrumental, diesmal mit Elektrosounds, die irgendwie an den Beat von Michael Jackson erinnern. Wer so was nicht mag, der dürfte sich an diesem Song die Zähne ausbeißen, wer auf Elektro steht, wird seine Freude daran haben.

Der Rest der Scheibe swingt mal leicht durch den Sommer, oder brilliert im männlich/weiblichen Duett (Strangers), das etwas an die Saarländer Memorial Park erinnert, wobei ich jetzt einfach mal behaupte, daß das in diesem Fall Zufall ist. Man wird romantisch (Sag nur ein Wort), hardcorelastig (Mosaik) und ganz zum Schluß widmet man mit Für Euch seinen Fans auch noch einen Song.

Damit ist die Scheibe zwar wirklich nicht schlecht geraten, insgesamt sind mir aber zu viele Anleihen an andere Bands darauf enthalten. Zudem fehlt irgendwie der Schmiß, um aus dem einfach nur guten Album, ein richtig gutes zu machen. Für Fans von Mittelaltermetal, die auch offen für andere Musikstile sind, sicher empfehlenswert, wer außer Gitarren und Schlagzeug keine anderen Instrumente neben den mittelalterlichen gelten lassen will oder gar Punk verachtet, der sollte lieber die Finger von diesem Album lassen.
     [6 von 10] Autor: Tyr (10.11.2009)




User comments

Aure (11.11.2009 um 10:34 Uhr)
Ach ja, das war schön als Schelmish es noch nicht nötig hatten zu klingen wie so ziemlich jede andere mittelalter-rock-langweilerband. Richtig schön. Jetzt werd ich sentimental *g*
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