Dirie, Waris:
Wüstenblume
|
Erschienen 1998 bei Weltbild Verlag
ISBN:
Originaltitel: "Desert Flower"
Übersetzer/in: Jendricke, Bernhard; Prummer-Lehmair, Christa; Schermer-Rauwolf, Gerlinde; Steckhan, Barbara
Genre: Biografie
|
Waris Dirie wurde als Tochter von Nomaden in Somalia geboren. Wie fast alle Mädchen wird auch sie im Alter von 5 Jahren beschnitten. Mit 13 soll sie an einen wesentlich älteren Mann verheiratet werden. Um dem zu entfliehen, muß sie alles aufgeben, was sie bisher kannte. Wie schon ihre ältere Schwester Aman läuft auch sie davon und findet Zuflucht bei Verwandten in der Hauptstadt Mogadishu. Als ihr Onkel als somalischer Botschafter nach Großbritannien berufen wird, schafft sie es, ihn als Dienstmädchen zu begleiten.
In London wird sie schließlich als Model entdeckt und bereist die halbe Welt. Es dauert eine zeitlang, bis sie sich traut, mit der Tatsache ihrer Beschneidung an die Öffentlichkeit zu gehen. Schließlich wird sie UNO-Sonderbotschafterin und kämpft seither gegen die Beschneidung von Frauen und Mädchen.
Das Buch Wüstenblume erzählt die Lebensgeschichte von Waris Dirie mit ihren eigenen Worten. Es sind viele traurige Kapitel darunter, doch nie erlebt man ihre Geschichte mitleidheischend. Es ist einfach ein Tatsachenbericht. Dirie macht nicht den Eindruck, als wolle sie persönliches Mitgefühl. Viel mehr kämpft sie, vor allem gegen Ende des Buches, um Mitgefühl für all die Frauen und Mädchen, die ihr Schicksal teilen.
Ihr Buch ist ein Appell an die Menschheit, die Grausamkeit der weiblichen Genitalverstümmelung zu beenden. Dabei setzt sie weder auf schlagzeilenträchtige Horrorstories, noch auf sentimentale Weingeschichten – sie sagt schlicht und einfach, wie es ist. Dadurch wirkt das Buch sehr natürlich und Diries relativ einfacher Erzählstil macht das Buch sehr spannend und leicht zu lesen, so daß man es kaum noch aus der Hand legen mag und innerhalb weniger Stunden durch ist.
Und vielleicht denkt ja der ein oder andere sogar über das Schicksal der afrikanischen Frauen, die der Beschneidung ausgesetzt sind, nach. Wobei dieses Buch wohl sowieso eher von Frauen als von Männern gelesen wird; dabei sind es doch die Männer, die am ehesten umdenken müssen. Dazu gibt es im Buch weitere Informationen zu Organisationen, die gegen die Beschneidung afrikanischer Mädchen - auch in Europa und Amerika (!) – kämpfen.
 |
Waris Dirie verlebt in der Wüste Somalias eine eher glückliche Kindheit. Trotz ihrer Armut ist die Familie stets fröhlich und alle halten zusammen. Unterbrochen wird dieses Glück nur von der Beschneidung, die für das Kind nach einigen Monaten wieder vergessen ist. Unvergessen sind jedoch die Schwester, die Cousinen und die Freundinnen, die bei diesem Ritual sterben. Mit 13 stellt Waris’ Vater ihr ihren zukünftigen Ehemann vor – einen alten Mann. Das bedeutet für Waris vor allem, daß ihr Zukünftiger lange vor ihr sterben und sie mit vielen Kindern und viel Arbeit allein zurücklassen wird. Sie erkennt, daß sie diesen Mann nicht heiraten kann.
So beschließt sie zu fliehen. Zunächst in die nächstgrößere Stadt zu ihrem Onkel, dann nach Mogadishu zu Verwandten ihrer Mutter. Unterwegs lernt sie die raue Wirklichkeit kennen und wird zweimal fast vergewaltigt. Dennoch schafft sie es irgendwie, sich bis in die Hauptstadt durchzuschlagen. Dort leben sie bei verschiedenen Brüdern und Schwestern ihrer Mutter. Einer der Brüder wird als Botschafter nach London berufen. Dort braucht er eine Haushaltshilfe und Waris schafft es, ihn davon zu überzeugen, daß sie die richtige dafür ist.
In England folgt jedoch die Ernüchterung; das Mädchen muß vier Jahre lang ohne einen einzigen freien Tag im Haus der Familie schuften. Es gelingt ihr nur kurze Zeit, die Schule zu besuchen, so daß sie kaum lesen und schreiben und nur sehr wenig Englisch kann. Dennoch gelingt es ihr, nach der Abreise der Familie als nun illegale Einwanderin in London zu bleiben und sich als Putzhilfe bei McDonalds über Wasser zu halten. Nach zwei Jahren gelingt es endlich einem Fotografen, zu ihr durchzudringen. So beginnt ihre Modelkarriere.
Doch es bleibt das Problem, daß sie weiterhin illegal im Land lebt. Wenn sie England verläßt kann sie nicht wieder einreisen. So geht sie nacheinander zwei Scheinehen ein, um einen gültigen Paß zu bekommen und ihren Beruf ausüben zu können. Schließlich will die BBC eine Dokumentation über ihr Leben drehen. Dies ist für sie die Chance, ihre Mutter wieder zu sehen, was auch tatsächlich klappt. Doch sie stellt auch fest, daß sie sich in all den Jahren in der Fremde sehr verändert hat.
In Amerika lernt sie schließlich Dana kennen und lieben und wird von ihm schwanger. Doch sie ist noch verheiratet und ihr Noch-Ehemann macht ihr die Scheidung alles andere als leicht. Ihr Sohn Akeele bereitet ihr dagegen viel Freude. Sie arbeitet weiterhin als Model, doch ein Interview, das sie für eine große Zeitschrift gibt, verändert ihr Leben.
Sie erzählt zum ersten Mal fremden Menschen von ihrer Beschneidung. Berichtet von den Grausamkeiten, die an kleinen Mädchen vorgenommen werden und von den physischen und psychischen Problemen, die eine Beschneidung mit sich bringt. Dieser Tag ändert ihr Leben. Denn viele Menschen interessieren sich auf einmal für ein Thema, von dem sie vorher überhaupt nichts wußten, da es schlicht totgeschwiegen wurde.
Waris Dirie wird zur UNO-Sonderbotschafterin ernannt und reist durch die ganze Welt, um aufzuklären und zu versuchen, Frauen und Mädchen vor ihrem Schicksal zu bewahren.
|
[9 von 10]
|
Autor: Tyr (07.03.2009)
|